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„Haferkasten” vom Hof Mennenöh

SchwelmNotizen | ältester erhaltener Holzspeicherbau in Schwelm

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| Getreide- - Hafer- - Kornkasten - Kornhaus - Speicher

    Kornkasten - "Haferkasten" | Parkanlage Haus Martfeld - Schwelm

Die Begriffe - Getreidekasten, Haferkasten, Kornkasten, Kornhaus und/oder Speicher-Gebäude - sind je nach Region unterschiedlich, jedoch thematisch ähnlich.

Ein „Haferkasten” ist zumeist ein solide gebautes, kleines Speichergebäude, das im 15. bis 18. Jahrhundert zur Aufbewahrung von Getreide oder Saatgut diente. Derartige Gebäude waren meist abseits von Bauernhäusern oder Gütern errichtet worden, um im Falle eines der häufigen Brände nicht auch noch die existentiell notwendigen Wintervorräte zu verlieren. Kornkästen sind häufig im märkischen Sauerland zu finden, sie dienten ursprünglich als „Zehntkästen” zum Einsammeln des Korns der abgabenpflichtigen Höfe. Auffällig an diesen kleinen Baukörpern ist i.d.R. eine konstruktive und auch größenmäßige Ähnlichkeit zu den Bauten der Wikingerzeit und zu den norwegischen Stabbauten des 11. Jahrhunderts.

 

 

© HERZ—Foto

Restaurierter Getreidespeicher "Haferkasten" am Haus Martfeld 

 

Das älteste erhaltene Holzgebäude in Schwelm wurde 1583 errichtet und gehörte zum ehemaligen Hof Mennenöh an der Oehde (westlicher Stadtrand | früher Mennenöhde genannt), wo er bis 1929 stand. Der eindrucksvolle Kornkasten hat seit 1965 am Haus Martfeld einen neuen Standort, nachdem er vorher in zerlegtem Zustand zwischengelagert und an verschiedenen Stellen aufgestellt wurde. Die langjährigen Witterungseinflüsse und letztlich das Sturmtief Kyrill am 18. Januar 2007 machten eine durchgreifende Sanierung erforderlich.
Der unter Denkmalschutz stehende Haferkasten ist dank des Verschönerungsvereins und der Erfurt-Stiftung von der Zimmerei Elbeshausen in Rheine, die auf Fachwerksanierung und Denkmalpflege spezialisiert ist, nach erfolgreicher Restaurierung wieder aufgestellt worden.

 

Die Museums- und Archivleiterin Cornelia Hackler informierte über die zahlreichen neuen Erkenntnisse, seine Bauweise und Funktion, aber auch über die regionalgeschichtlichen und volkskundlichen Gesamtzusammenhänge des neu restaurierten Kornkastens im Rahmen der Quartalsführung am 3. Januar 2010:

 

Der Kornkasten steht heute auf einem vierseitigen Holzschwellenrahmen, der zwecks guter Belüftung sowie zur Abwehr von Schädlingen (z.B. Mäusen) und Bodenfeuchtigkeit auf Steinen liegt. Er ist in der für diese Art von Holzbauten charakteristischen Bohlenbauweise in Kombination mit traditioneller Stabtechnik gezimmert. Als Material wurde das harte Holz einer nahezu 200-jährigen Eiche verwendet. Sein rechteckiger Grundriss ist 5,65 m lang und 3,55 m breit; er war ursprünglich etwa 5,80 m hoch. Durch den mehrfachen Standortwechsel wurden jedoch offenbar die angefaulten unteren Brettlagen entfernt und verkürzt, so dass die Gesamthöhe bis heute um etwa 0,50 m reduziert wurde. Die gesamte Konstruktion war einst ausschließlich genutet, gezapft und gedübelt, und somit in der traditionellen Holztechnik gezimmert. Vor der aktuell erfolgten Grundsanierung waren jedoch im Verlauf seiner jüngeren Geschichte weitere bauliche Veränderungen z.B. durch einschlagen von Eisennägeln verursacht worden. Dies hat sich auf die Haltbarkeit der verwendeten Hölzer mit Rissbildungen, Eindringen von Feuchtigkeit und Fäulnisprozessen nachweisbar zum Nachteil der Gesamtstabilität des Bauwerks ausgewirkt. Wie bei allen zweistöckigen Kornkästen führte früher eine hölzerne Außentreppe mit balkonartigem Treppenabsatz zu einer giebelseitig eingelassenen Bohlentür im Dachgeschoss.

Lokalhistorisch fällt der Bau des Kornspeichers in die Zeit der Reformation im Kirchspiel Schwelm und liegt kurz vor der zweiten Stadtrechtsverleihung im Jahr 1590. Er steht zeitlich an der Schwelle des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit und ist heute das älteste erhaltene Exemplar seiner Art in der näheren und weiteren Umgebung, einschließlich der angrenzenden Gebiete des Rheinlands und des westlichen Sauerlandes. Ältere Kornkästen werden lediglich noch in der Literatur aufgeführt: ein bereits vor 1959 abgebrochener Garnkasten vom Seelhof in Barmen aus dem Jahr 1577, ein weiterer von der Rosenaue in Barmen von 1587 sowie zwei nicht näher bezeichnete Kornkästen aus bzw. bei Barmen von 1587 und 1592. Der nächstälteste Kornkasten steht auf dem Hof "Großer Siepen" in Sprockhövel -Herzkamp aus dem Jahr 1597. 

Die Bezeichnung als „Haferkasten" sei im vorliegenden Fall nicht zutreffend. Hafer- | Futterkisten waren kleine Behälter für Tierfutter, die innerhalb oder in unmittelbarer in Nähe der Stallungen aufgestellt wurden. Sie sind ihrer Funktion nicht mit den hausartigen Kornkästen zu verwechseln, die als hölzerne Speicherbauten reicher Höfe die wertvollsten Güter, wie das Korns und andere Wertsachen sicherten. Solche Bauten, die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben, gab es schon im bäuerlichem Umfeld der feucht-kühlen Bergregionen von Nordwest- und Mitteleuropas seit der Jungsteinzeit vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis in die Zeit des Barock im 18. Jahrhundert."

Die Expertendiskussion, ob Korn- oder Haferkasten, konnte bisher nicht gelöst werden.

 - Der Kornkasten vom Hof Mennenöh in Schwelm -  | Schriftenreihe des Vereins für Heimatkunde Schwelm e.V.
Der Martfeld-Kurier Nr. 32 wird kostenlos abgegeben und ist in der Geschäftsstelle des Vereins für Heimatkunde (Telefon 02336 406471 - Hauptstraße 10, 58332 Schwelm), im Museum Haus Martfeld, in der Stadtsparkasse, Banken, im Rathaus und im Bürgerbüro erhältlich.

Ausführlicher wird in der Jahresgabe Heft 58 | 2009 des Vereins für Heimatkunde Schwelm e.V. [Text: Cornelia Hackler] über Baubeschreibung, Sockelkonstruktion und Standorte, sowie Zeitstellung und kulturgeschichtliche Bedeutung des Kornkastens berichtet.
Die Jahresgabe kann über den Verein für Heimatkunde oder im Buchhandel bezogen werden.

Quelle: Museum Haus Martfeld und Stadtarchiv | 58332 Schwelm, Haus Martfeld 1

 

 

 

  "Haferkasten" vor der Restaurierung

© HERZ Foto

 

 

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe - Amt für Denkmalpflege in Westfalen - berichtete 2004, dass der Haferkasten des Hofes „Großer Siepen” in Sprockhövel-Herzkamp (Ennepe-Ruhr-Kreis) 1597 errichtet worden ist.
Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Bäume zum Bau eines im Hofweiher stehenden Speichers sogar schon 1501 gefällt worden sind.

Vor der Zerstörung des Haupthauses durch einen Brand 1918 galt der „Große Siepen” als eine der interessantesten und schönsten Hofanlagen Westfalens, und zählt zu den ältesten Siedlungen im alten Schwelmer Raum. Er gehörte zum Verband des Schwelmer Fronhofes und damit zum Besitz des Kölner Erzbischofs.

 

 

    Fotos |  Cornelia Hackler

 

 

 Restaurierter Kornkasten vom Hof Mennenöh beim Wiederaufbau

    Alte Dachtür  

 

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 Tipp:

Haus Martfeld

Öffnungszeiten
 

Das Haus Martfeld dient seit 1962 der Unterbringung des regional- und stadtgeschichtlichen Museums, dessen bedeutende Bestände seit 1985 in einer Sammlung im Mittel- und Südflügel präsentiert werden. Das ebenfalls  im Südflügel untergebrachte Stadtarchiv verfügt über einen reichen Fundus an Bibliotheks- und Aktenbeständen zur Stadt- und Regionalgeschichte.

Zum umfangreichen Veranstaltungsprogramm von Haus Martfeld gehören Wechsel-
ausstellungen und Sonderveranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Vorträge, Seminare,
Märkte und Trauungen
.

Nach mehrjähriger Restaurierung wurde im Sommer 2002 der Nordflügel des Hauses mit Museumscafé und Tagungsraum eröffnet.

 

Haus Martfeld 1
58332 Schwelm

 


 

 

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Aktualisierung: 16. Februar 2015

 


HERZ - Heinz E. & Renate Zethmeyer | www.zethmeyer.de